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„Das letzte Jahr war sehr arbeitsintensiv“


Hof&Markt im Gespräch mit Geschäftsführer Andreas Geyer über Qualitätsversprechen, Geschmacks-Trends und die Corona-Situation


Mayer&Geyer ist ein familiär geführtes Handelsunternehmen mit Sitz im oststeirischen Albersdorf bei Gleisdorf. Seit 1998 liefert das Unternehmen alles für die Milchdirektvermarktung: Fruchtzubereitungen, -sirupe und -konzentrate, Starterpakete für die Herstellung von Joghurt und Frischkäse sowie Naturlab oder auch Kulturen und Verpackungen.

Viele Konsumenten haben mit Beginn der Corona- Pandemie vermehrt auf regionale Produkte gesetzt. Hat sich das auch auf Ihr Unternehmen ausgewirkt? Wie haben Sie das letzte Jahr erlebt?
Eindeutig JA! Das letzte Jahr war sehr arbeitsintensiv und hat uns alle ziemlich gefordert. Seit Mitte März letzten Jahres und bis heute können wir sagen, dass wir überdurchschnittliche Umsatzsteigerungen erzielen. Als Lebensmittel-Großhandel waren wir von den Lockdowns zum Glück nicht betroffen. Mit den unterschiedlichsten Vorgaben seitens der Regierung war es zwar nicht immer leicht, da wir aber zum Großteil nur Versandkunden haben, war auch das kein Thema und den wenigen Selbstabholern konnten wir eine kontaktlose Übernahme anbieten. Durch die gute Zusammenarbeit mit unserem Hauptproduzenten hier in Gleisdorf waren wir immer lieferfähig.

Spezialmessen wie z.B. die Ab Hof konnten und können dieses Jahr nicht stattfinden. Wie wichtig sind solche Präsentationsmöglichkeiten für Sie und wie konnten Sie alternativ Ihre Kunden erreichen?
Solche Messen sind für uns insofern wichtig, als dass wir dort viele Kunden persönlich treffen und uns austauschen können. Durch die jährliche Schulmilchtagung vor Ort können wir auch neue Produkte direkt unseren Kunden vorstellen. Für uns geht es dort in erster Linie um Kontaktpflege, der Verkauf ist zweitrangig. Alternativ sind vor allem unsere Webseite und der Onlineshop anzuführen. Besonders der Onlineshop boomt seit einem Jahr, durch ihn haben wir viele Neukunden gewinnen können.

Ist Vanille nach wie vor die beliebteste Sorte oder sind ausgefallene Geschmacksrichtungen ebenso gefragt?
Vanille ist bei uns in vielen Varianten sehr beliebt. Unter anderem auch als Vanille-Schokocrispies für Joghurt/Dessert. In Summe werden es knapp 60 Jahrestonnen sein. Die beliebteste Fruchtsorte ist eindeutig die Heidelbeere für Joghurt mit fast 37 Jahrestonnen! Dann folgt natürlich die Erdbeere und die Himbeere. Ausgefallene Geschmacksrichtungen sind bei uns die Saisonsorten wie Frucht- Gemüse-Mix-Grün mit Gurke, Brombeer-Zitrone oder der Zitronenkuchen jetzt im Sommer. Ab Oktober setzen wir dann auf Bratapfel, Vanillekipferl und Zimtstern. Durch die begrenzte Verfügbarkeit sind diese immer schon recht bald ausverkauft. Kleiner Tipp: Vorreservieren!

Seit 1. Jänner 2021 gilt die neue Bio-Verordnung, die besagt, dass z.B. für Bio- Fruchtzubereitungen nur noch natürliche x Aromen verwendet werden dürfen, also Aromen, die aus der genannten Frucht stammen. War dies für Sie eine große Umstellung? Wie haben Sie dies umgesetzt?
Durch die Pandemie wurde das Inkrafttreten um 1 Jahr verschoben, wir haben es aber trotzdem schon zur Gänze umgesetzt. Eine große Umstellung war es nicht, da wir generell in der Vergangenheit schon auf sehr natürliche Fruchtzubereitungen (die Hälfte kommt dabei ohne Aromazusatz aus) gesetzt haben. Dort wo es natürliche Fruchtaromen aus der namensgebenden Frucht gebraucht hat, ist uns die Umstellung sehr gut gelungen. Auch das Geschmacksprofil ist verbessert worden, da wir bei diesen Sorten zusätzlich den Fruchtanteil erhöht haben. Schwieriger war die Umstellung auf die BIO-Stabilisatoren, da haben sich die Grenzen der Natürlichkeit gezeigt, da mussten wir bei wenigen Sorten nachkorrigieren.

Gibt es bei Ihren Kunden einen Trend zu mehr BIO?
Ja, BIO ist definitiv in, mit +18% gegenüber dem Vorjahr!

Sie haben bereits vor drei Jahren begonnen Glucose- Fructose-Sirup, modifizierte Stärke (E 1400-1451) und Zitronensäure (E 330) in Ihren Produkten zu vermeiden. Was für Vorteile bringt dies?
Wir und unserer Produkte werden mit ausgezeichneter Qualität in Verbindung gebracht. Das gilt es zu bewahren und beständig auszubauen. Dazu wird Clean Label und Clean Eating immer wichtiger und präsenter, das ist für uns klar der Trend der Zukunft. Ausgezeichnete, ehrliche Produkte mit nur den notwendigsten Inhaltsstoffen. Wir wollen weitestgehend von Zusatzstoffen wegkommen, auch von solchen mit E-Nummern. Das ist manchmal ein ziemlich schmaler Grat, wenn es dann um Haltbarkeit, Qualität und Konsistenz geht. Kompromisse einzugehen ist dabei manchmal leider unabdingbar. Und alles kann nicht „vernatürlicht“ werden. Auch das mussten wir lernen. Manche Rezeptur ist einfach ausgereift und hat optimale Eigenschaften wie z.B. die Vanille-Schokocrispies.

Ab dem 3. Juli 2021 wird der Verkauf bestimmter Gegenstände aus Einwegplastik verboten, hierzu zählen auch Plastiktrinkhalme. Was für Alternativen bieten Sie an?
Ein schwieriges Thema. Nachdem unsere biobasierten PLAHalme aus Europa doch nicht zugelassen wurden, setzen wir jetzt auf einseitig abgeschrägte Papierhalme, FSC zertifiziert, aus Asien! Aus Europa ist das bis jetzt nicht zu einem adäquaten Preis zu bekommen! Papierhalme in Milchprodukten sind sowieso nicht optimal, das Material wird relativ rasch weich und vom Papiergeschmack will ich gar nicht reden. An der Sinnhaftigkeit darf gezweifelt werden. Mehr will ich dazu nicht sagen.

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