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Allrounder Glas


Verpackungen aus Glas sind universell einsetzbar. Unschlagbar ist Glas wegen seiner unbegrenzten Möglichkeiten wieder eingeschmolzen und in andere Form gebracht zu werden.


Glas ist als Werkstoff seit Tausenden von Jahren in Verwendung. Aufwändig in der Herstellung, diente es in früheren Zeiten entweder zur Anfertigung von Kunstgegenständen oder Behältnissen für kostbare Flüssigkeiten wie Öle oder Duftessenzen. Weine wurden erstmals gegen Ende des Mittelalters in Flaschen gefüllt und mit Mitte des 19. Jahrhunderts traten Glasbehältnisse – durch die industrielle Fertigung – ihren Siegeszug rund um den Globus an.

Was kommt ins Glas?

Glas ist ein wahrer Allrounder. Bier, Wein, Spirituosen und Öle, Säfte und Sirupe, Honig und Marmeladen, Kompotte, eingelegtes Gemüse, Milch und Molkereiprodukte, Pikantes wie Fleischwaren und Wursterzeugnisse aber auch Kuchen und andere Süßwaren sowie Arzneien finden in Gläsern ihr Zuhause. Wobei der Inhalt Gestaltung, Form und Farbe des Behältnisses maßgeblich mitbeeinflusst. Klare Gläser eignen sich für alle Lebens- und Genussmittel, die durch Licht kaum oder nur wenig in ihrer Optik bzw. Haltbarkeit beeinflusst werden, wie etwa konserviertes Obst und Gemüse, wohingegen gefärbtes Glas (meist braunes und grünes, seltener blaues Glas) vor allem für die Aufbewahrung von Getränken verwendet wird. Diese brauchen nämlich in den allermeisten Fällen einen wirksamen Lichtschutz, um die Aromen und die Farbe zu erhalten.

Glas ist auch aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften ein ideales Verpackungsmaterial: Da es absolut dicht ist, verhindert es den Kontakt des Inhalts mit der Außenluft und schützt so wirksam vor unerwünschter Oxydation. Als Nebeneffekt bildet es eine undurchdringliche Barriere für jede Art von Keimen.

Einmachen, einrexen und einwecken

Dass man Lebensmittel durch einkochen in dicht verschlossenen Behältnissen länger haltbar machen kann, wurde bereits um 1700 entdeckt, um 1810 wurde das Verfahren im Zuge der napoleonischen Kriege (Truppenverpflegung!) dann erstmals in größerem Maßstab angewandt. Die Konservierung in Gläsern wurde in den 1880ern entwickelt und perfektioniert – in dieser Zeit entstanden Firmen wie Rex, Weck und Co., deren Namen und Verfahren zum Synonym für Eingemachtes wurde – einrexen und einwecken fanden und finden sich als Begriffe im Duden. Das Revolutionäre an dieser Erfindung war aber die Alltagstauglichkeit: Jeder Haushalt konnte so Obst und Gemüse auf längere Zeit haltbar machen, in alten Kochbüchern finden sich ganze Kapitel, die sich nur diesem Thema widmen. Grundsätzlich lassen sich zwei Varianten unterscheiden: Zum einen wird bereits Gekochtes heiß abgefüllt und dann verschlossen oder die Ware wird fix vorbereitet kalt gefüllt und dann im Glas gekocht. Beide Male wird das Kochgut quasi pasteurisiert und durch die Hitze wird die Luft aus dem Glas verdrängt. Für die notwendige Abdichtung sorgt ein Gummiring zwischen dem Glasrand (glatt oder auch gewellt) und dem Deckel, Spannfedern halten beides während des Kochvorgangs am Platz.

Ob eingekocht, kalt oder heiß eingelegt: Mit Glas lassen sich im Lebensmittelhandwerk, Gewerbe und in der Direktvermarktung nach wie vor viele der erzeugten Produkte effektiv, rationell und langfristig konservieren. Lediglich am Verschluss hat sich etwas geändert: Statt Glas und Gummi werden meist Schraubverschlüsse aus Metall mit innen aufgebrachter Dichtung verwendet. Gebördelte Aluminiumdeckel zum einmaligen Verschließen finden sich vor allem bei Sauerkonserven wie eingelegten Gurken, Pfefferoni oder Paprika.

Allrounder Flasche

In der Erzeugung von Lebens- und Genussmitteln gibt es viele Produkte, wie Öle, Säfte und Sirupe, Spirituosen und Weine, die in Flaschen gefüllt werden. Gängige Molkereiprodukte im Glas sind Joghurtzubereitungen, aber auch Milch in der klassischen braunen Flasche erlebt alle paar Jahre ein Revival. Diese Art der Verpackung findet allerdings nur regionale Verbreitung. Gängige Größen reichen von 0,25 bis 0,75 Liter, der klassische Doppler ist hingegen etwas aus der Mode gekommen. Ob in braun oder grün, mit Korkstoppel, Kronenkorken, Kunststoff- und Metalldrehverschluss oder mit Glasstoppel – die Glasflasche ist ein echter Allrounder. Der Korken hat sich heute nur bei Weinflaschen als Verschluss erhalten, aber auch hier wird er mehr und mehr durch Schraubverschluss und Kunststoffstopfen verdrängt. Was sich auch verändert hat, ist die Verwendung von Einstatt Mehrweggebinden – ob das im Zeichen endlicher Ressourcen allerdings der Weisheit letzter Schluss ist, sei einmal dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass die Kosten für die hygienische Reinigung der Flaschen (und die braucht es auch, damit der Inhalt das Mindeshaltbarkeitsdatum erlebt) nur mehr für Großbetriebe wie Brauereien zu stemmen sind. Diese haben über den LEH auch die nötige Logistik für Sammlung und Transport von Leergut zurück zu den Abfüllanlagen. Kleinere Erzeuger kalkulieren den Preis für die Glasverpackung in den Verkaufspreis mit ein, und wenn die Verpackung gefällt, findet sie im Haushalt der Konsumenten ein langes zweites Leben.

Auf die passende Etikette achten

Auch wenn der Inhalt die Form bestimmt – eine genaue Bezeichnung des Produkts mit Etiketten ist erstens durch die Lebensmittelkennzeichnung zwingend und als gleichzeitiges Marketingtool unabdingbar. Als Trägermaterial dienen Papier oder Folie, die Klebung erfolgt entweder mit wasserlöslichen oder fix bindenden Klebstoffen, bedruckt wird im Offsetverfahren. Wie man über die Gestaltung Mehrwert und Alleinstellungsmerkmale generieren kann, haben die Winzer in den letzten Jahrzehnten vorexerziert. Gestaltete Weinetiketten sind oft kleine Kunstwerke, mit denen die Qualität der edlen Tropfen im Inneren der Flasche unterstrichen wird. So sind Weine zusammen mit hochpreisigen Essigen und Ölen oft wahre Eyecatcher. Bei anderen Produkten wird auf die Etikettengestaltung (noch) nicht soviel Wert gelegt, teilweise ist der Charme eher spartanisch, es besteht Aufholbedarf an vielen Ecken und Enden. Eigentlich schade, denn warum sollten die anderen Produkte aus Direktvermarktung und Handwerk Stiefkinder bleiben?

Info

Wissenswertes zu Glasverpackungen

  1. Seit dem Start des Sammelsystems für Altglas wurden über 21 Milliarden Glasverpackungen gesammelt. Pro Haushalt werden 29 Kilo Glas der Wiederverwertung zugeführt.
  2. Glasrecycling findet in Österreich statt, das bedeutet Stoffkreisläufe auf kurzem Weg.
  3. Hohlglas (Flaschen und andere Gläser, die mit Lebensmitteln befüllt sind) besteht zu mehr als 70 Prozent aus Recyclingglas.
  4. Aufgrund der freien Formgebung lassen sich die verschiedensten Designs realisieren.
  5. Glas erhält seine Farbe durch Metalloxide – Eisen und Chrom zusammen ergeben grün, zweiwertiges Kupfer blau, Cobalt färbt intensiv blau, Eisen zusammen mit Schwefel ergibt eine braune Färbung.
  6. Das Fiasco war ein italienisches Volumenmaß und ein Begriff für Flasche.

 

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