Mittwoch - 21.02.2024
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Mit 100-Prozent-Erfolg Krise getrotzt

Erfolgreich durch die Corona-Krise: die Teilnehmer des MK 445 mit Schul-Geschäftsführerin Barbara Zinkl (Mitte. r.) und den Fachlehrern Michael Spitzauer und Emiliano Fiorentino (Mitte v.l.).


„Selbstbewusstsein zeigen“: Alle 24 Teilnehmer bestehen Prüfungen nach 445. Landshuter Meisterkurs.

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Das Corona-Virus scheint viele Menschen zu lähmen, andere aber zu Höchstleistungen anzutreiben: So etwa die 24 Handwerker aus ganz Deutschland, die zwölf Wochen lang im 445. Meisterkurs der 1. Bayerischen Fleischerschule in Landshut büffelten und am Ende allesamt ihre Meisterprüfung mit Bravour bestanden. Ein 100-Prozent-Rekordergebnis, das Schul-Geschäftsführerin Barbara Zinkl so seit gut zehn Jahren nicht erlebt hat; bei der feierlichen Verabschiedung der Absolventen nannte sie es „das schönste Weihnachtsgeschenk“. Wie bei einem Segeltörn in stürmischer See hätten die Teilnehmer allen Widrigkeiten der Corona-Wellen getrotzt und unter besonderen Hygienebedingungen ihre Meisterqualitäten bewiesen. Auf diese Leistung dürften sie stolz sein und Selbstbewusstsein zeigen.

„Konservieren Sie dieses Gefühl“, appellierte Zinkl vor ca. 50 Gästen (darunter unter 2G-Vorgaben auch einige Familienangehörige und Freunde der Jungmeister) im „Zeughaus“ der Förderer der Landshuter Hochzeit. Sie seien als „bunte Truppe“ angetreten, hätten sich zum Team entwickelt und jeder für sich stets das große Ziel – den Meistertitel – im Blick behalten. Das sei ein echtes Erfolgsgeheimnis. Denn in mehr als 500 Unterrichtseinheiten mussten sie sich auch durch „trockene“ Themen von Buchführung und Lebensmittelhygiene bis zu Steuerrecht und Arbeitspädagogik in der Fachtheorie kämpfen. Im Praxisteil umfasste der umfangreiche Lehrplan zudem Themen wie Zerlegung, Produktion von gut 130 Wurstsorten, Perfektionierung von Verkaufsgesprächen oder Warenpräsentation.

In dem Kurs fanden junge und erfahrene Fleisch-Profis aus Handwerk, Industrie und Handel zusammen: 20 Fleischer und vier Fleischerinnen aus Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt kamen zum Lernen an die Isar. Kurs-„Senior“ war Oliver Schubert (47) aus Görlitz, der jüngste Teilnehmer Paul Schmieg (19) aus Blaufelden. Den längsten Anreiseweg hatte mit 655 km Maximilian Fischer (23) aus Wietze, den kürzesten mit 38 km Robert Rank (25) aus Au in der Hallertau.

Als Festredner gratulierte Christian Läpple, Vizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, den Kursteilnehmern zum Erreichen einer wichtigen Etappe im Berufsleben. Der Meistertitel stehe sinnbildlich für Handwerksqualität, für die Verbindung von Tradition und Moderne, für Kundenorientierung und Verlässlichkeit. Gerade das Metzgerhandwerk, dem es so oft an Wertschätzung fehle, brauche junge Leute, die ihren Beruf lieben und das auch nach außen tragen. Denn hier drehe sich seit Jahrhunderten alles um Qualität und Genuss. Verständnis für High-Tech-Geräte sei dabei heute ebenso gefragt wie Kreativität. Metzger seien „Allrounder“ und stünden für echte Köstlichkeiten, individuelle Angebote statt Massenware, Regionalität und Herkunftsgarantie. Dank Einsatz, Ehrgeiz und Disziplin seien die Absolventen nun wahre „Meister Ihres Fachs“. Ihre Fortbildung in Fachbereichen von Betriebswirtschaft bis Schlachttierbeurteilung, von neuen, trendigen Rezepturen bis zu Biochemie sei genau die richtige Entscheidung gewesen: „Wer in die eigene Weiterbildung investiert, investiert in die Zukunft.“ Mit dem Meisterbrief, so Läpple, seien sie als top-ausgebildete Fachkräfte weltweit gefragt. Sein Fazit: „Sie machen einen tollen Job. Und Qualität setzt sich auf Dauer durch!“

Kurssprecher Maximilian Hausner (21) aus Neustadt a.d. Waldnaab blickte humorvoll zurück auf die vier Einzelteile der Meisterprüfung und Stolpersteine wie Teil III (Betriebswirtschaft/Recht) – nach so einer Hürde komme einem der Ausbilderschein (Teil IV) „wie ein Geschenk“ vor. Am schlimmsten bei all dem: „Die Wartezeit auf die Ergebnisse.“ Co-Sprecher Maximilian Fischer blickte positiv in eine Zukunft als Betriebsleiter oder Betriebsinhaber und dankte dem Team der 1.BFS für die Begleitung in diesem besonderen Lebensabschnitt. Das Klassengremium, zu dem auch Sebastian Kraus (40) aus Adelsdorf und Lily Röttgen (20) aus Solingen gehörten, überreichte kleine Präsente an die Dozenten und ein großformatiges Kursfoto für die „Hall of Fame“ der Schule an Barbara Zinkl. Deren Dank galt auch Mitstreitern wie Prüfungsausschussvorsitzendem Florian Lang von der HWK oder der seit 36 Jahren als Dozentin und Prüferin aktiven Tamara Metz. An die Jungmeister appellierte sie, der Branche treu zu bleiben und Nachwuchs für das Fleischerhandwerk zu begeistern.

Zum Abschluss des von den Landshuter Turmbläsern unter Leitung von Horst Kirch umrahmten Festakts sprach Christian Läpple die Absolventen frei vom Gesellenstand und verlieh ihnen „Meisterehre, Meisterstand und Meistertitel“. Jeder erhielt von der HWK neben dem Meisterbrief ein silbernes „Meister-M“ – nach 35 Jahren Meistertätigkeit kann die goldene Version folgen. Von der 1.BFS gab es das exklusive Landshuter Schuldiplom, das seit Gründung der Lehreinrichtung 1928 unverändert verliehen wird. www.fleischerschule-landshut.de

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